Probleme mit dem Notfallventil

29. Juni 2009 - 10:31 Uhr

Härtefallkommissionen können Menschen, die von Abschiebung ­bedroht sind, ein besonderes Aufenthaltsrecht gewähren. Doch die Entscheidungsfindung ist oft willkürlich.

von Mark Berger

Yussufs Geschichte müsste Integrationspolitikern Freudentränen in die Augen treiben. Er hat ein Diplom als Umweltingenieur in der Tasche, spricht fließend Deutsch, hält sich penibel an Regeln und Gesetze. Ein Beispiel für gelungene Integration? Nicht ganz, denn Yussuf hat ein Problem. Er ist in Deutschland nicht erwünscht.

Yussuf hat sich in seiner alten Heimat Togo in der Demokratiebewegung engagiert. Im Jahr 1994 flieht er nach Deutschland, doch sein Asylantrag wird abgelehnt. Jahr um Jahr verlängert die Ausländerbehörde seinen Aufenthalt, „Kettenduldung“ heißt das im Amtsdeutsch. Trotz des faktischen Ausbildungsverbots macht er Abitur, studiert. In seiner Diplomarbeit forscht er nach neuen Methoden zur Biogaserzeugung. Im Jahr 2004 ist Schluss mit der Duldung, Yussuf soll endgültig zurück nach Togo. Seitdem lebt er in der Illegalität.

Den Rest des Artikels gibt es hier oder in der Ausgabe des Freitag vom 25. Juni 2009 auf Seite 5.

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Porno-Plastinator

5. Mai 2009 - 15:48 Uhr

Gunther von Hagens, BILD-Lesern besser bekannt als “Dr. Tod”, feiert seit Jahren Erfolge mit der Ausstellung plastinierter Leichen. In seiner neuen Ausstellung zeigt er nun erstmals ein Paar beim Sex. Das ist konsequent - der Orgasmus wird schließlich gern auch als “kleiner Tod” bezeichnet. Sex in allen Variationen ist der BILD-Zeitung immer eine rotwangige Empörung wert. So auch diesmal: In dem pietätvoll  “Dr. Tod zeigt Leichensex in Berlin” betitelten Beitrag stellt der Autor die alles entscheidende Frage: “Ist diese Präsentation nicht pervers?!”

Scheinbar nicht, denn auch BILD zeigt den Zombieporno. Den Abbildungstext hat wohl jener Poet verfasst, der auch den halbnackigen BILD-Girls schlüfprige Halbsätze in den Mund legt, denn dort heißt es wunderbar subtil: “Der Mann (†51, Lungenkrebs) liegt stocksteif auf dem Rücken.”

drtod

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Dummheit abschaffen!

17. April 2009 - 11:32 Uhr

Am Ostersonntag protestierte Unter den Linden eine Hundertschaft gegen die Wirtschaftskrise. Eine gute Idee, warum sind Krisen nicht schon längst verboten? Das Häuflein Systemkritiker kritisierte das System, indem es zornig Plakate gegen unfähige Politiker und Manager in den Osterhimmel hielt. Auch Trillerpfeifen waren mit im Spiel. Recht so.

Der Zorn konzentrierte sich besonders auf eine Bank aus Island. Island ist eine Insel mit sehr viel Gegend, aus der ab und zu heißes Wasser schießt. Als Finanzstandort ist das Land bisher nicht in Erscheinung getreten. Wie den Plakaten zu entnehmen war, haben einige Demonstranten trotzdem ihr Geld dort hin überwiesen. Dann kam die Krise. Zack, Kohle weg. Das finden die Leute ungerecht, sie fordern: Geld zurück!

Wer ist Schuld? Die gierigen Manager natürlich, deswegen heißen sie inzwischen ja auch “Bankster”. Es könnte freilich auch ein Stäubchen Gier mit im Spiel sein, wenn jemand sein Geld am Rande der zivilisierten Welt anlegt, nur weil dort ein halbes Promille höhere Zinsen winkt.

So lustig ist die Globalisierung: Wer sich gestern noch als Investmentfuchs fühlte, ist heute schon ein Depp, schreibt es auf ein Plakat und demonstriert in Berlin gegen seine eigene Dummheit.

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Großer Wurf oder Solar Joke?

11. März 2009 - 14:51 Uhr

Solarplan der Union für das Mittelmeer

Von Mark Berger und Jens Pietrucha

Sonnenenergie ist sauber, billig und unbegrenzt vorhanden. Liegt die Zukunft der europäischen Energieversorgung also in Ländern wie Tunesien, Libyen oder Ägypten, wo endlose Wüstenflächen nur darauf warten, mit Parabolspiegeln bepflastert zu werden? Riesige solarthermische Anlagen in der Sahara sollen die EU mit billigem Strom versorgen, so sieht es der Solarplan der Mittelmeerunion vor. Die dafür notwendigen Technologien sind längst ausgereift - schon seit den 1980er Jahren erzeugen solarthermische Kraftwerke in der Wüste Kaliforniens umweltfreundlichen Strom. Weltweit sind derzeit mehr als 100 Anlagen im Bau oder in der Planung. Doch während beispielsweise die Chinesen in Eigenregie eine gigantische Solarfarm aus dem Sand der Qaidam-Wüste stampfen, sitzen beim Solarplan 46 Nationen an einen Tisch. Die einen haben das Geld und die Technik, die anderen die Sonne - so lautet die einfache Formel, die Europäer, Afrikaner und Araber zur Kooperation zwingt. Die eigentlichen Schwierigkeiten sind daher nicht technischer, sondern politischer und vor allem kultureller Natur.

Nicht zum ersten Mal versuchen die Europäer, mit Hilfe Afrikas ihre Probleme zu lösen. Der deutsche Architekt Hermann Sörgel kämpfte sein Leben lang für einen Staudamm in der Straße von Gibraltar, mit dessen Hilfe er das Mittelmeer weitgehend trockenlegen wollte. Der Staudamm sollte elektrische Energie für ganz Europa liefern und es so von Ölimporten unabhängig machen. Atlantropa hieß sein Projekt, das nie verwirklicht wurde - nicht zuletzt, weil Sörgel sich allein auf die technische Machbarkeit konzentrierte. Heute steht seine Vision als ein Mahnmal grandiosen Scheiterns in der Technikgeschichte. Dem Traum vom Solarstrom aus der Wüste könnte ein ähnliches Schicksal drohen.
(…)

Der vollständige Artikel ist in der März-Ausgabe der Afrika-Post erschienen.

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Gedankenspiel aus aktuellem Anlass

9. Februar 2009 - 17:55 Uhr

Heute gibts mal eine kleine Aufgabe. Also: Stellen wir uns einen männlichen Arbeitnehmer vor. Er ist Abteilungsleiter in einem großen deutschen Unternehmen geht langsam auf die Rente zu. Machbar, oder?

Weiter: Unser imaginierter Arbeitnehmer wurde nur zum Abteilungsleiter, weil der eigentlich dafür vorgesehene Mitarbeiter in letzter Sekunde zu einem Konkurrenzunternehmen wechselte und sich kein anderer für die Stelle fand. Seit Jahren wird er von Kollegen und Kunden als Fehlbesetzung kritisiert. Seine herausragende Eigenschaft ist Unauffälligkeit. Trotzdem hält sein Chef treu zu ihm. Ein seltenes Exemplar, aber auch so einen kann’s geben.

Jetzt nehmen wir aber mal an, dieser Abteilungsleiter hat in der ganzen Firma, von der Toilette über die Kaffeeküche bis hin zur Kantine Plakate aufgehängt, auf denen steht, dass er keine Lust mehr auf seinen Job hat und die Firma verlassen will. Bei seinem Chef bettelt er um die Entlassung. Der Chef aber sagt: “Keine Chance, guter Mann, sie bleiben mal hübsch bei uns. Sie haben schließlich mein vollstes Vertrauen.” Harte Nuss, oder?

Nun, Michael Glos hat es Gott sei Dank ja doch geschafft. An seiner Stelle erhält jetzt ein junger, frisurauffälliger Akademikereine Chance. Ein Mensch also, der gemeinhin auf dem ersten Arbeitsmarkt als unvermittelbar gilt, da die Wirtschaft händeringend nach Mitarbeitern über 60 sucht. Damit setzt Glos ein strahlendes Zeichen der Hoffnung für alle älteren, unmotivierten, ausgebrannten Arbeitnehmer, die fürchten müssen, bis zur Rente weiter einen sicheren Job zu haben. Ihr kommt da raus, Leute. Ihr müsst es nur wollen!

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Webshoring

21. Januar 2009 - 14:32 Uhr

Webshoring ist die Internetvariante des Offshoring - Arbeit wird da hin verlagert, wo sie möglichst wenig kostet; in diesem Falle, der Name lässt es erahnen: ins Internet. Erste Varianten waren Plattformen wie MyHammer, die Handwerkern ungeahnte Möglichkeiten der Selbstausbeutung eröffneten. Früher oder später findet sich aber immer ein Weg, die Schraube noch ein bisschen weiter zu drehen.

Das politisch erfrischend inkorrekt betitelte Angebot Mechanical Turk des Internetbuchhändlers Amazon vermittelt Websklaven für Informationsdienstleistungen. Innovativ ist vor allem die Bezahlung. Eine Bilderrecherche für ein Skigebiet wird mit üppigen 0.04 $ (pro Stunde!) entlohnt. Noch größzügiger geht es bei Adressrecherchen zu - hier lassen sich pro Stunde Luxusgehälter von bis zu 16 Cent erzielen. Da kann man nicht meckern. Als “Artificial artificial intelligence” beschreibt Amazon im Untertitel die schöne neue Dienstleistungswelt; treffender wäre allerdings “Wo Gier auf Verzweiflung trifft”.

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Dschungelcamp

8. Januar 2009 - 11:07 Uhr

Am Freitag startet die vierte Runde des Dschungelcamps bei RTL. Jetzt werden die Kommentare zu den vorherigen Staffeln recycled: C-Promis, haben es noch nicht mal zum perfekten Promi-Dinner geschafft, ist nur bekannt für… lediglich die Namen müssen ausgetauscht werden, und schon hat man wieder zwei Spalten voll und die billigen Lacher auf seiner Seite. Das ist zu einfach - “besser machen” lautet die Devise. Daher folgt nun ein subjektiver Castingvorschlag für das beste Dschungelcamp aller Zeiten: 

1. Marcel Reich-Ranicki (Sprechtrainer)

2. Christian Klar (Sozialphilosoph)

3. Charlotte Roche (Dildospitze des Feminismus)

4. Florian Silbereisen (Alpine Sterbehilfe) 

5. Ursula von der Leyen (Hausfrau und Mutter)

6. Lukas Podolski (Bauchredner)

7. Harald Schmidt (Karrierecoach)

8. Gloria von Thurn und Taxis (Lückenfüllerin).

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Frauen auf dem Vormarsch

16. Dezember 2008 - 15:30 Uhr

Ein weiterer Artikel von mir über die jüngste Veranstaltung aus der Reihe “Eine Welt - Eine Zukunft”:

Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern als Motor für Entwicklung

Zwei Drittel aller Analphabeten weltweit sind Frauen. Frauen besitzen nur ein Prozent des globalen Vermögens, leisten aber 70 Prozent der unbezahlten Arbeit. Es ist also noch ein langer Weg zur Gleichberechtigung. Gerade in den Entwicklungsländern gibt es enormen Nachholbedarf in Sachen Bildung, rechtlicher Gleichstellung und wirtschaftlicher Teilhabe.

Diese Themen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung der Diskussionsreihe “EINE WELT - EINE ZUKUNFT” am 27. November 2008 in der Berliner Kalkscheune. Mit der Performance “Listen When She Talks” eröffnete die Tänzerin Melissa Maldonado den Abend und nahm damit schon eine wesentliche Erkenntnis der anschließenden Diskussion vorweg: Wenn Frauen offen ihre Meinung sagen können, profitiert die ganze Gesellschaft.

(…)
Der komplette Artikel auf der EWEZ-Website

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Große Wortspiele der Literaturgeschichte (2)

19. November 2008 - 15:37 Uhr

Das moderne Friseurhandwerk erfreut mit einer schier unerschöpflichen Vielfalt innovativer Wortkreationen.

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Nachtrag zu IKEA

23. Oktober 2008 - 16:55 Uhr

Inzwischen hat mir IKEA die Scharniere zugeschickt - kommentarlos und ohne Rechnung. Ganz schön schnell beleidigt, die Schweden. Ich habe Angst, dass mir ein Mitarbeiter beim nächsten Mal heimlich auf den Hotdog spuckt.

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