Kategorie: Allgemein


Thomas Bernhard über die Wut

28. April 2010 - 13:16 Uhr

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Ich möchte ihm über den Kopf streicheln und ein Glas warme Milch bestellen.

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Roman Polanski

26. March 2010 - 11:00 Uhr

Es steht mir nicht zu, über die Verfehlungen Roman Polanskis in den Siebzigern zu urteilen. Aber das er mit seinem neuen Film mein Google-Ranking pulverisiert – das geht eindeutig zu weit. Falls Sie dies lesen, Herr Polanski: Ich bin empört!

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Facebook am Ostbahnhof

4. March 2010 - 12:38 Uhr

In dunklen, früheren Tagen waren wir alle verdammt zum dumpfen Konsum. Es gab drei Fernsehprogramme, den Internationalen Frühschoppen, die Tageszeitung. Die Medien sagten uns, wie die Welt funktioniert, und wir nahmen es ehrfürchtig zur Kenntnis. Wenn der SPIEGEL einen Leserbrief des Erdkundelehrers abdruckte, in der dieser mal kurz seinen Plan zur Beendigung des Kalten Krieges umriss, wurde er ausgeschnitten und in Klarsichtfolie verpackt ehrfürchtige herumgereicht.

Gestern gab es ein Konzert im Postbahnhof am Ostbahnhof. Wie es war? Bastian ist seine Wohnung immernoch nicht los. Bracelona was da bomb, maaan! Und, oh, die Jenny hatte so einen fiesen Virus, drei Tage sie flach gelegen, totaaaaal schlimm. Eine Schwarzhaarige in Lederjacke referiert über Dostojewski. Nebenbei waren die Tindersticks auch da, zufällig hatten sie ihre Instrumente dabei und sorgten für Hintergrundmusik. Ein bisschen zu laut vielleicht, aber nett. Das Publikum nutzt seine Gesprächspausen höflich, um einen wackligen Videofilm zu drehen und sofort (!!) ins Netz zu stellen, wo sich aller Voraussicht nach und zurecht niemand dafür interessieren wird.

Das Internezt hat uns alle zu Künstlern gemacht, zu Journalisten, Reportern, Filmemachern, subjektiv gefühlten Meinungsführern, die zu allem und vor allem IMMER etwas zu sagen haben. Dauerndes Geplapper als Lebenszeichen – auf Facebook wie im wirklichen Leben. Dazu kommt der Satan der digitalisierten Musik. Lieblingsplatten sind keine Kunstwerke mehr, sondern allgegenwärtige Soundblasen, Hintergrundgeräusch für das eigene Geplapper.

Es mag vorgestrig wirken, aber ich wünsche mir wieder mehr Leserbriefe statt Diskussionsforen, Telegramme statt SMSen, Tagebücher statt Facebooks und Konzertbesucher, die einfach mal die Klappe halten und der Band zuhören.

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Zerstört Klimawandel Entwicklung?

16. December 2009 - 17:52 Uhr

Podiumsdiskussion am 17. September 2009 in der Berliner Kalkscheune

Bericht zur Veranstaltung von Mark Berger

Obwohl Dürren, Wirbelstürme und überschwemmungen weltweit zunehmen, sind die Risiken des Klimawandels ungleich verteilt. Die westlichen Industrienationen als Hauptverursacher spüren seine Auswirkungen kaum. Stattdessen trifft die Klimakatastrophe die armen Länder mit voller Wucht. Drohen die Erfolge der Entwicklungspolitik in den nächsten Jahren von Tornados und Überschwemmungen zunichte gemacht zu werden?

Weiterlesen (auf der Website von Eine Welt – Eine Zukunft)

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Kundenbindung à la Cortal Consors

9. September 2009 - 13:26 Uhr

9. September 2009

Cortal Consors

90318 Nürnberg

Meine Kündigung / Ihr Schreiben vom 07.09.2009

Sehr geehrte Frau J.,

Seit einigen Wochen versuche ich erfolglos, mein Konto und mein Depot bei Cortal Consors zu kündigen. Während ich mein fünftes (!) Schreiben in dieser Sache (ich sollte besser von einem Projekt sprechen) tippe, frage ich mich langsam, ob in Ihrem Unternehmen der Begriff „Kundenbindung“ vielleicht tragisch missverstanden wird.

Kundenbindung bedeutet entgegen der bei Cortal Consors herrschenden Meinung nicht, dass sich eine Bank mittels ständiger Nachfragen und Verzögerungen an kündigungswillige Kontoinhaber klammert. Zur theoretischen Fundierung empfehle ich Ihnen die Lektüre von Ilona Masche: Kundenbindung, VDM Verlag, 2007, ISBN 978-3836403245.

Zu Ihrem Schreiben vom 07.09.2009: JA, ICH WILL KÜNDIGEN. IMMER NOCH, SOFORT!   Was muss ich noch tun, um ein Konto zu schließen, auf dem es seit Jahren keine Bewegungen mehr gibt? Muss ich den Brief mit meinem Blut unterschreiben? Eine DNA-Analyse einreichen? Oder muss ich Ihnen eine abgehackte Fingerkuppe als Beweis schicken, dass ich es ernst meine?

Mit herzlichen Grüßen


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Wahlkampfverwirrungen

26. August 2009 - 11:25 Uhr

Neulich bemerkte ich bei einem Spaziergang durch Kreuzberg ein Wahlplakat, mit dessen Forderung ich mich spontan identifizieren konnte:

Reichtum für all.

Reichtum für alle.

Sehr sympathisch. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, der LINKEN meine Stimme zu leihen und sie so bei der Verwirklichung ihrer großen Vision zu unterstützen. Aber dann stieß ich ein paar Meter weiter zu meinem Entsetzen auf dies:

Reichtum besteuern.

Reichtum besteuern.

Meint Herr Gysi das mit dem Reichtum für alle vielleicht garnicht ernst? Will er mich erst reich machen und mir dann all das schöne Gold per Steuer wieder aus der Tasche ziehen? Oder handelt sich bei dem zweiten Plakat um perfide getarnte FDP-Propaganda? Was denn jetzt? Für Hinweise bin ich dankbar.

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Freiheit erkämpft – und jetzt?

12. August 2009 - 11:17 Uhr

Bürgerbewegungen: Chance und Risiko für die Gesellschaft?

Als am 9. November die Mauer fiel, blickte die ganze Welt nach Berlin, wo die Bürger der DDR dem Kalten Krieg mit ihrer friedlichen Revolution ein Ende setzten. Immer wieder treibt der Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit Menschen dazu, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ob das Ergebnis in allem Ihren Hoffnungen entsprach, steht auf einem anderen Blatt. Sind Bürgerbewegungen als Chance oder auch ein Risiko für die Gesellschaft?

Den Rest des Beitrags gibt es hier.

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Probleme mit dem Notfallventil

29. June 2009 - 10:31 Uhr

Härtefallkommissionen können Menschen, die von Abschiebung ­bedroht sind, ein besonderes Aufenthaltsrecht gewähren. Doch die Entscheidungsfindung ist oft willkürlich.

von Mark Berger

Yussufs Geschichte müsste Integrationspolitikern Freudentränen in die Augen treiben. Er hat ein Diplom als Umweltingenieur in der Tasche, spricht fließend Deutsch, hält sich penibel an Regeln und Gesetze. Ein Beispiel für gelungene Integration? Nicht ganz, denn Yussuf hat ein Problem. Er ist in Deutschland nicht erwünscht.

Yussuf hat sich in seiner alten Heimat Togo in der Demokratiebewegung engagiert. Im Jahr 1994 flieht er nach Deutschland, doch sein Asylantrag wird abgelehnt. Jahr um Jahr verlängert die Ausländerbehörde seinen Aufenthalt, „Kettenduldung“ heißt das im Amtsdeutsch. Trotz des faktischen Ausbildungsverbots macht er Abitur, studiert. In seiner Diplomarbeit forscht er nach neuen Methoden zur Biogaserzeugung. Im Jahr 2004 ist Schluss mit der Duldung, Yussuf soll endgültig zurück nach Togo. Seitdem lebt er in der Illegalität.

Den Rest des Artikels gibt es hier oder in der Ausgabe des Freitag vom 25. Juni 2009 auf Seite 5.

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Porno-Plastinator

5. May 2009 - 15:48 Uhr

Gunther von Hagens, BILD-Lesern besser bekannt als “Dr. Tod”, feiert seit Jahren Erfolge mit der Ausstellung plastinierter Leichen. In seiner neuen Ausstellung zeigt er nun erstmals ein Paar beim Sex. Das ist konsequent – der Orgasmus wird schließlich gern auch als “kleiner Tod” bezeichnet. Sex in allen Variationen ist der BILD-Zeitung immer eine rotwangige Empörung wert. So auch diesmal: In dem pietätvoll  “Dr. Tod zeigt Leichensex in Berlin” betitelten Beitrag stellt der Autor die alles entscheidende Frage: “Ist diese Präsentation nicht pervers?!”

Scheinbar nicht, denn auch BILD zeigt den Zombieporno. Den Abbildungstext hat wohl jener Poet verfasst, der auch den halbnackigen BILD-Girls schlüfprige Halbsätze in den Mund legt, denn dort heißt es wunderbar subtil: “Der Mann (†51, Lungenkrebs) liegt stocksteif auf dem Rücken.”

drtod

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Großer Wurf oder Solar Joke?

11. March 2009 - 14:51 Uhr

Solarplan der Union für das Mittelmeer

Von Mark Berger und Jens Pietrucha

Sonnenenergie ist sauber, billig und unbegrenzt vorhanden. Liegt die Zukunft der europäischen Energieversorgung also in Ländern wie Tunesien, Libyen oder Ägypten, wo endlose Wüstenflächen nur darauf warten, mit Parabolspiegeln bepflastert zu werden? Riesige solarthermische Anlagen in der Sahara sollen die EU mit billigem Strom versorgen, so sieht es der Solarplan der Mittelmeerunion vor. Die dafür notwendigen Technologien sind längst ausgereift – schon seit den 1980er Jahren erzeugen solarthermische Kraftwerke in der Wüste Kaliforniens umweltfreundlichen Strom. Weltweit sind derzeit mehr als 100 Anlagen im Bau oder in der Planung. Doch während beispielsweise die Chinesen in Eigenregie eine gigantische Solarfarm aus dem Sand der Qaidam-Wüste stampfen, sitzen beim Solarplan 46 Nationen an einen Tisch. Die einen haben das Geld und die Technik, die anderen die Sonne – so lautet die einfache Formel, die Europäer, Afrikaner und Araber zur Kooperation zwingt. Die eigentlichen Schwierigkeiten sind daher nicht technischer, sondern politischer und vor allem kultureller Natur.

Nicht zum ersten Mal versuchen die Europäer, mit Hilfe Afrikas ihre Probleme zu lösen. Der deutsche Architekt Hermann Sörgel kämpfte sein Leben lang für einen Staudamm in der Straße von Gibraltar, mit dessen Hilfe er das Mittelmeer weitgehend trockenlegen wollte. Der Staudamm sollte elektrische Energie für ganz Europa liefern und es so von Ölimporten unabhängig machen. Atlantropa hieß sein Projekt, das nie verwirklicht wurde – nicht zuletzt, weil Sörgel sich allein auf die technische Machbarkeit konzentrierte. Heute steht seine Vision als ein Mahnmal grandiosen Scheiterns in der Technikgeschichte. Dem Traum vom Solarstrom aus der Wüste könnte ein ähnliches Schicksal drohen.
(…)

Der vollständige Artikel ist in der März-Ausgabe der Afrika-Post erschienen.

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