Kategorie: Wirtschaft


weltwärts – Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst

15. October 2009 - 17:00 Uhr

Podiumsdiskussion am 10. September im Berliner Tempodrom

Seit Anfang 2008 gibt es den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts, mit dem junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Möglichkeit erhalten, sich mit finanzieller Unterstützung für 6 bis 24 Monate ehrenamtlich in Afrika, Lateinamerika, Osteuropa oder Asien zu engagieren. Mittlerweile sind die ersten 1.000 weltwärts-Freiwilligen von diesem – vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten – Freiwilligendienst zurückgekehrt. Aus diesem Grund hat die Veranstaltung “weltwärts – Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst, der die (eigene) Welt verändert?!” am 10. September 2009 im Berliner Tempodrom den Rahmen gegeben, in dem sich über 430 an dem Programm interessierte junge Menschen und Gäste aus den Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit, Jugendarbeit und Politik informiert, ausgetauscht und gemeinsam gefeiert haben.

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Kundenbindung à la Cortal Consors

9. September 2009 - 13:26 Uhr

9. September 2009

Cortal Consors

90318 Nürnberg

Meine Kündigung / Ihr Schreiben vom 07.09.2009

Sehr geehrte Frau J.,

Seit einigen Wochen versuche ich erfolglos, mein Konto und mein Depot bei Cortal Consors zu kündigen. Während ich mein fünftes (!) Schreiben in dieser Sache (ich sollte besser von einem Projekt sprechen) tippe, frage ich mich langsam, ob in Ihrem Unternehmen der Begriff „Kundenbindung“ vielleicht tragisch missverstanden wird.

Kundenbindung bedeutet entgegen der bei Cortal Consors herrschenden Meinung nicht, dass sich eine Bank mittels ständiger Nachfragen und Verzögerungen an kündigungswillige Kontoinhaber klammert. Zur theoretischen Fundierung empfehle ich Ihnen die Lektüre von Ilona Masche: Kundenbindung, VDM Verlag, 2007, ISBN 978-3836403245.

Zu Ihrem Schreiben vom 07.09.2009: JA, ICH WILL KÜNDIGEN. IMMER NOCH, SOFORT!   Was muss ich noch tun, um ein Konto zu schließen, auf dem es seit Jahren keine Bewegungen mehr gibt? Muss ich den Brief mit meinem Blut unterschreiben? Eine DNA-Analyse einreichen? Oder muss ich Ihnen eine abgehackte Fingerkuppe als Beweis schicken, dass ich es ernst meine?

Mit herzlichen Grüßen


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Dummheit abschaffen!

17. April 2009 - 11:32 Uhr

Am Ostersonntag protestierte Unter den Linden eine Hundertschaft gegen die Wirtschaftskrise. Eine gute Idee, warum sind Krisen nicht schon längst verboten? Das Häuflein Systemkritiker kritisierte das System, indem es zornig Plakate gegen unfähige Politiker und Manager in den Osterhimmel hielt. Auch Trillerpfeifen waren mit im Spiel. Recht so.

Der Zorn konzentrierte sich besonders auf eine Bank aus Island. Island ist eine Insel mit sehr viel Gegend, aus der ab und zu heißes Wasser schießt. Als Finanzstandort ist das Land bisher nicht in Erscheinung getreten. Wie den Plakaten zu entnehmen war, haben einige Demonstranten trotzdem ihr Geld dort hin überwiesen. Dann kam die Krise. Zack, Kohle weg. Das finden die Leute ungerecht, sie fordern: Geld zurück!

Wer ist Schuld? Die gierigen Manager natürlich, deswegen heißen sie inzwischen ja auch “Bankster”. Es könnte freilich auch ein Stäubchen Gier mit im Spiel sein, wenn jemand sein Geld am Rande der zivilisierten Welt anlegt, nur weil dort ein halbes Promille höhere Zinsen winkt.

So lustig ist die Globalisierung: Wer sich gestern noch als Investmentfuchs fühlte, ist heute schon ein Depp, schreibt es auf ein Plakat und demonstriert in Berlin gegen seine eigene Dummheit.

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Großer Wurf oder Solar Joke?

11. March 2009 - 14:51 Uhr

Solarplan der Union für das Mittelmeer

Von Mark Berger und Jens Pietrucha

Sonnenenergie ist sauber, billig und unbegrenzt vorhanden. Liegt die Zukunft der europäischen Energieversorgung also in Ländern wie Tunesien, Libyen oder Ägypten, wo endlose Wüstenflächen nur darauf warten, mit Parabolspiegeln bepflastert zu werden? Riesige solarthermische Anlagen in der Sahara sollen die EU mit billigem Strom versorgen, so sieht es der Solarplan der Mittelmeerunion vor. Die dafür notwendigen Technologien sind längst ausgereift – schon seit den 1980er Jahren erzeugen solarthermische Kraftwerke in der Wüste Kaliforniens umweltfreundlichen Strom. Weltweit sind derzeit mehr als 100 Anlagen im Bau oder in der Planung. Doch während beispielsweise die Chinesen in Eigenregie eine gigantische Solarfarm aus dem Sand der Qaidam-Wüste stampfen, sitzen beim Solarplan 46 Nationen an einen Tisch. Die einen haben das Geld und die Technik, die anderen die Sonne – so lautet die einfache Formel, die Europäer, Afrikaner und Araber zur Kooperation zwingt. Die eigentlichen Schwierigkeiten sind daher nicht technischer, sondern politischer und vor allem kultureller Natur.

Nicht zum ersten Mal versuchen die Europäer, mit Hilfe Afrikas ihre Probleme zu lösen. Der deutsche Architekt Hermann Sörgel kämpfte sein Leben lang für einen Staudamm in der Straße von Gibraltar, mit dessen Hilfe er das Mittelmeer weitgehend trockenlegen wollte. Der Staudamm sollte elektrische Energie für ganz Europa liefern und es so von Ölimporten unabhängig machen. Atlantropa hieß sein Projekt, das nie verwirklicht wurde – nicht zuletzt, weil Sörgel sich allein auf die technische Machbarkeit konzentrierte. Heute steht seine Vision als ein Mahnmal grandiosen Scheiterns in der Technikgeschichte. Dem Traum vom Solarstrom aus der Wüste könnte ein ähnliches Schicksal drohen.
(…)

Der vollständige Artikel ist in der März-Ausgabe der Afrika-Post erschienen.

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Webshoring

21. January 2009 - 14:32 Uhr

Webshoring ist die Internetvariante des Offshoring – Arbeit wird da hin verlagert, wo sie möglichst wenig kostet; in diesem Falle, der Name lässt es erahnen: ins Internet. Erste Varianten waren Plattformen wie MyHammer, die Handwerkern ungeahnte Möglichkeiten der Selbstausbeutung eröffneten. Früher oder später findet sich aber immer ein Weg, die Schraube noch ein bisschen weiter zu drehen.

Das politisch erfrischend inkorrekt betitelte Angebot Mechanical Turk des Internetbuchhändlers Amazon vermittelt Websklaven für Informationsdienstleistungen. Innovativ ist vor allem die Bezahlung. Eine Bilderrecherche für ein Skigebiet wird mit üppigen 0.04 $ (pro Stunde!) entlohnt. Noch größzügiger geht es bei Adressrecherchen zu – hier lassen sich pro Stunde Luxusgehälter von bis zu 16 Cent erzielen. Da kann man nicht meckern. Als “Artificial artificial intelligence” beschreibt Amazon im Untertitel die schöne neue Dienstleistungswelt; treffender wäre allerdings “Wo Gier auf Verzweiflung trifft”.

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Frauen auf dem Vormarsch

16. December 2008 - 15:30 Uhr

Ein weiterer Artikel von mir über die jüngste Veranstaltung aus der Reihe “Eine Welt – Eine Zukunft”:

Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern als Motor für Entwicklung

Zwei Drittel aller Analphabeten weltweit sind Frauen. Frauen besitzen nur ein Prozent des globalen Vermögens, leisten aber 70 Prozent der unbezahlten Arbeit. Es ist also noch ein langer Weg zur Gleichberechtigung. Gerade in den Entwicklungsländern gibt es enormen Nachholbedarf in Sachen Bildung, rechtlicher Gleichstellung und wirtschaftlicher Teilhabe.

Diese Themen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung der Diskussionsreihe “EINE WELT – EINE ZUKUNFT” am 27. November 2008 in der Berliner Kalkscheune. Mit der Performance “Listen When She Talks” eröffnete die Tänzerin Melissa Maldonado den Abend und nahm damit schon eine wesentliche Erkenntnis der anschließenden Diskussion vorweg: Wenn Frauen offen ihre Meinung sagen können, profitiert die ganze Gesellschaft.

(…)
Der komplette Artikel auf der EWEZ-Website

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IKEA Kundenservice

13. October 2008 - 15:11 Uhr

13. Oktober 2008

An
IKEA Tempelhof
Sachsendamm 47
10829 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 22.09. habe ich einen Kleiderschrank gekauft. Er heißt PAX. Die Selbstabholerliste wieß leider statt der nötigen zwei Scharniersets nur eines aus (siehe beiligende Kopie). Das ist an sich nicht weiter tragisch – Fehler passieren und sind menschlich. Eines Weltkonzerns unwürdig ist allerdings Ihr billiges Kundenservice-Imitat. Verglichen damit – ich wage es kaum zu Papier zu bringen – trägt die Deutsche Bahn ihre Kunden auf Händen.

In meiner grenzenlosen Naivität wollte ich telefonisch um die Lieferung der fehlenden Teile per Post bitten. Was sich in der Theorie so einfach anhört, entpuppte sich als zäher Kampf mit der telefonischen Kundenabwehr. Hätten die Nazis über diese Wunderwaffe verfügt, Berlin hätte den Krieg ohne Bombentreffer überstanden. Nachdem ich das Anruferleitsystem endlich niedergerungen hatte, begann eine Odyssee durch die beeindruckend verschachtelten Abteilungen Ihres Hauses, die alle eins gemeinsam haben: Sie sind nicht zuständig, verbinden aber gerne in eine zufällig ausgewählte andere Abteilung weiter. Nebenbei durfte ich lernen, dass IKEA keine Kunden sondern Bittsteller hat. Mehrfach wurde mir mitgeteilt, ich hätte gefälligst persönlich zu erscheinen und mir die Scharniere abzuholen. Wie gesagt, nicht ich habe einen Fehler gemacht, sondern ein IKEA-Mitarbeiter. Ein kleiner Hinweis: Das ist kein Kundenservice, und Köttbullar mit Pommes sind auch keine Delikatesse.

Nachdem mich Ihr System wieder ausgespuckt hatte, startete ich todesmutig einen zweiten Versuch, der mich schließlich zu einem zuständigen Mitarbeiter führte. Wahrscheinlich war er neu bei IKEA und kannte Ihre Gepflogenheiten noch nicht, denn er versicherte mir freundlich, in „ein paar Tagen“ lägen die Scharniere in meinem Briefkasten. Leider warte ich seit dem ebenso sehnsüchtig wie vergeblich. Unterm Strich bleibt von meinem Einkauf also ein eintüriger Kleiderschrank, eine horrende Telefonrechnung und der latente Wunsch, ABBA-Platten zu verbrennen. Sie werden mir zustimmen: Ein glücklicher Kunde fühlt sich anders.

Ich frage Sie nun: werden sie mir irgendwann noch die Gnade erweisen, mir die fehlenden Scharniere (Artikel Nummer 957.191.00, Regal 02, Fach 19) zuzuschicken, oder soll ich mir aus der nutzlosen Schranktür ein Surfbrett schnitzen?

Mit herzlichen Grüßen,

Mark Berger

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Finanzkrise – Chance für alle?

10. October 2008 - 14:22 Uhr

Ratlosigkeit und Unzufriedenheit sind die Vorbedingungen des Fortschritts, hat Thomas Edison einmal bemerkt. Wird die globale Finanzkatastrophe also völlig falsch bewertet? Ist sie vielleicht sogar der Vorbote eines neuen goldenen Zeitalters?

Ich denke dabei vor allem an das gramgebeugte Inkasso-Proletariat, das knietief im Dispo watet und dessen letzte Chance darin besteht, sich für ein paar Kröten in einer RTL2-Schuldner-Soap zu prostituieren. Ein Finanzexperte mag meine Naivität belächeln, aber jetzt mal ernsthaft: Wenn morgen die sympathische kleine Hausbank pleite geht, verschwindet dann nicht nur Omas Sparbuch im Orkus, sondern auch alle unsere Schulden?

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Finanzkrise

22. September 2008 - 16:44 Uhr

Die Finanzkrise erweist sich als ausgesprochen lehrreich. So lernt man, dass amerikanische Investmentbanken auf drollige Namen wie Fannie Mae oder Freddie Mac hören, die eher zu Backmischungen als zu gefräßigen Heuschrecken passen.

Zum anderen aber lässt sich bewundern, wie geschmeidig selbst bis in die Wolle gefärbte Marktradikale über Nacht zum Sozialisten mutiert. Es ist immer das gleiche: Gewinne werden privatisiert, die Verluste aber sollen allen zugute kommen. Das ist also der mitfühlende Kapitalismus, den George W. Bush zu Beginn seiner ersten Amtszeit versprochen hat.

Besonders ärgerlich ist das Kalkül, mit dem die Großspekulanten zu Werke gehen. Wenn wie jetzt eine Blase platzt, entscheidet sich die Politik notgedrungen für das kleinere Übel und sorgt für eine möglichst weiche Landung. Kosten für den Steuerzahler: (vorerst) schlappe 800 Mrd. Dollar. Experimente, für die der Staat das Risiko übernimmt – das ist wahrscheinlich das cleverste Geschäft von allen.

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Die Rettung der Welt

10. September 2008 - 18:16 Uhr

Lester Brown
Am 2. September stellte Lester Brown im Rahmen einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung sein neues Buch “Plan B 3.0″ vor. Im Untertitel verspricht er in aller einem Amerikaner möglichen Bescheidenheit: “So retten wir die Welt!”

Von so viel Optimismus zu Kauf animiert, erläutert Browns Rundumschlag dem Leser praktisch alle großen Probleme der Zivilisation: Energie-, Wasser- und Lebensmittelknappheit, Klimawandel sowie das Marktversagen, das uns all diese Unannehmlichkeiten einbrockt. Den weit größeren Teil des Buches füllt aber die Vision von einer Welt, in der diese Probleme der Vergangenheit angehören. Diese Vision kann nach Browns Überzeugung in relativ kurzer Zeit Wirklichkeit werden – die notwendigen Technologien stehen bereit, es fehlen allein der politische Wille und der Glaube an die Machbarkeit.

Immerhin, der Plan B 3.0 ist nicht dem Hirn eines entrückten Weltverbesserers entsprungen, sondern einem Autor, den die Washington Post als einen der einflussreichsten Intellektuellen der Welt bezeichnet. Andererseits: Wenn er so von seinem Plan überzeugt ist, warum liegt er bereits in der dritten Version vor? In Fragen der Landwirtschaft kennt Brown sich jedenfalls aus: Er begann seine Karriere als Farmer in New Jersey, bevor er 1955 an der Rutgers University Agricultural Science studierte. Ab 1959 arbeitete er im US-Landwirtschaftsministerium. Nebenbei fand er auch noch die Zeit, in Maryland und Harvard Agrarökonomie zu studieren (Wie schaffen die Leute das nur immer bloss??)

Im Jahr 1974 gründete er das Worldwatch Institute, die erste Einrichtung weltweit, die sich der Analyse globaler Umweltprobleme widmete. Seit 2001 kämpft er mit seinem Earth Policy Institute für eine nachhaltige Weltwirtschaft. Brown ist 23-facher Ehrendoktor und wurde unter anderem mit dem Umweltpreis der Vereinten Nationen und der Goldmedallie des WWF ausgezeichnet.

Das gesamte Buch kann hier in englischer Sprache kostenlos heruntergeladen werden.

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