Nigeria und Südkorea – zwei Länder, zwischen denen nicht nur geografisch Welten liegen. Südkorea hat innerhalb von fünfzig Jahren den Aufstieg zu einer der größten Volkswirtschaften Asiens geschafft. In Nigeria dagegen lebt trotz großer Rohstoffvorkommen die Mehrheit der Bevölkerung in bitterer Armut. Am 22. Juni trafen die beiden Länder bei der Fußball WM in Südafrika aufeinander. Eine Welt – Eine Zukunft nahm das Spiel zum Anlass, den Beitrag des Fußballs zur gesellschaftlichen und politischen Entwicklung zu diskutieren.
„Südkorea hat von der WM 2002 im eigenen Land enorm profitiert“, glaubt Spielerberater Markus Han, der südkoreanische Fußballprofis nach Europa vermittelt. Der Fußball konnte sich durch das Turnier als Massensport etablieren und überwindet auch tiefe ideologische Gräben: „Der Süden fiebert auch mit der nordkoreanischen Mannschaft mit. Wenn es um Fußball geht, sind wir wieder ein Volk“, erklärt Han. Auch Eric J. Ballbach vom Institut für Koreastudien an der FU Berlin sieht die WM 2002 als Gewinn für das Land: „Die Infrastruktur wurde stark verbessert, aber noch größer ist der immaterielle Nutzen. Die Gesellschaft ist enger zusammengerückt und hat ein viel größeres Selbstbewusstsein.“
In dunklen, früheren Tagen waren wir alle verdammt zum dumpfen Konsum. Es gab drei Fernsehprogramme, den Internationalen Frühschoppen, die Tageszeitung. Die Medien sagten uns, wie die Welt funktioniert, und wir nahmen es ehrfürchtig zur Kenntnis. Wenn der SPIEGEL einen Leserbrief des Erdkundelehrers abdruckte, in der dieser mal kurz seinen Plan zur Beendigung des Kalten Krieges umriss, wurde er ausgeschnitten und in Klarsichtfolie verpackt ehrfürchtige herumgereicht.
Gestern gab es ein Konzert im Postbahnhof am Ostbahnhof. Wie es war? Bastian ist seine Wohnung immernoch nicht los. Bracelona was da bomb, maaan! Und, oh, die Jenny hatte so einen fiesen Virus, drei Tage sie flach gelegen, totaaaaal schlimm. Eine Schwarzhaarige in Lederjacke referiert über Dostojewski. Nebenbei waren die Tindersticks auch da, zufällig hatten sie ihre Instrumente dabei und sorgten für Hintergrundmusik. Ein bisschen zu laut vielleicht, aber nett. Das Publikum nutzt seine Gesprächspausen höflich, um einen wackligen Videofilm zu drehen und sofort (!!) ins Netz zu stellen, wo sich aller Voraussicht nach und zurecht niemand dafür interessieren wird.
Das Internezt hat uns alle zu Künstlern gemacht, zu Journalisten, Reportern, Filmemachern, subjektiv gefühlten Meinungsführern, die zu allem und vor allem IMMER etwas zu sagen haben. Dauerndes Geplapper als Lebenszeichen – auf Facebook wie im wirklichen Leben. Dazu kommt der Satan der digitalisierten Musik. Lieblingsplatten sind keine Kunstwerke mehr, sondern allgegenwärtige Soundblasen, Hintergrundgeräusch für das eigene Geplapper.
Es mag vorgestrig wirken, aber ich wünsche mir wieder mehr Leserbriefe statt Diskussionsforen, Telegramme statt SMSen, Tagebücher statt Facebooks und Konzertbesucher, die einfach mal die Klappe halten und der Band zuhören.
Podiumsdiskussion am 10. September im Berliner Tempodrom
Seit Anfang 2008 gibt es den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts, mit dem junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Möglichkeit erhalten, sich mit finanzieller Unterstützung für 6 bis 24 Monate ehrenamtlich in Afrika, Lateinamerika, Osteuropa oder Asien zu engagieren. Mittlerweile sind die ersten 1.000 weltwärts-Freiwilligen von diesem – vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten – Freiwilligendienst zurückgekehrt. Aus diesem Grund hat die Veranstaltung “weltwärts – Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst, der die (eigene) Welt verändert?!” am 10. September 2009 im Berliner Tempodrom den Rahmen gegeben, in dem sich über 430 an dem Programm interessierte junge Menschen und Gäste aus den Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit, Jugendarbeit und Politik informiert, ausgetauscht und gemeinsam gefeiert haben.
Neulich bemerkte ich bei einem Spaziergang durch Kreuzberg ein Wahlplakat, mit dessen Forderung ich mich spontan identifizieren konnte:
Reichtum für alle.
Sehr sympathisch. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, der LINKEN meine Stimme zu leihen und sie so bei der Verwirklichung ihrer großen Vision zu unterstützen. Aber dann stieß ich ein paar Meter weiter zu meinem Entsetzen auf dies:
Reichtum besteuern.
Meint Herr Gysi das mit dem Reichtum für alle vielleicht garnicht ernst? Will er mich erst reich machen und mir dann all das schöne Gold per Steuer wieder aus der Tasche ziehen? Oder handelt sich bei dem zweiten Plakat um perfide getarnte FDP-Propaganda? Was denn jetzt? Für Hinweise bin ich dankbar.
Bürgerbewegungen: Chance und Risiko für die Gesellschaft?
Als am 9. November die Mauer fiel, blickte die ganze Welt nach Berlin, wo die Bürger der DDR dem Kalten Krieg mit ihrer friedlichen Revolution ein Ende setzten. Immer wieder treibt der Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit Menschen dazu, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ob das Ergebnis in allem Ihren Hoffnungen entsprach, steht auf einem anderen Blatt. Sind Bürgerbewegungen als Chance oder auch ein Risiko für die Gesellschaft?
Härtefallkommissionen können Menschen, die von Abschiebung bedroht sind, ein besonderes Aufenthaltsrecht gewähren. Doch die Entscheidungsfindung ist oft willkürlich.
von Mark Berger
Yussufs Geschichte müsste Integrationspolitikern Freudentränen in die Augen treiben. Er hat ein Diplom als Umweltingenieur in der Tasche, spricht fließend Deutsch, hält sich penibel an Regeln und Gesetze. Ein Beispiel für gelungene Integration? Nicht ganz, denn Yussuf hat ein Problem. Er ist in Deutschland nicht erwünscht.
Yussuf hat sich in seiner alten Heimat Togo in der Demokratiebewegung engagiert. Im Jahr 1994 flieht er nach Deutschland, doch sein Asylantrag wird abgelehnt. Jahr um Jahr verlängert die Ausländerbehörde seinen Aufenthalt, „Kettenduldung“ heißt das im Amtsdeutsch. Trotz des faktischen Ausbildungsverbots macht er Abitur, studiert. In seiner Diplomarbeit forscht er nach neuen Methoden zur Biogaserzeugung. Im Jahr 2004 ist Schluss mit der Duldung, Yussuf soll endgültig zurück nach Togo. Seitdem lebt er in der Illegalität.
Den Rest des Artikels gibt es hier oder in der Ausgabe des Freitag vom 25. Juni 2009 auf Seite 5.
Gunther von Hagens, BILD-Lesern besser bekannt als “Dr. Tod”, feiert seit Jahren Erfolge mit der Ausstellung plastinierter Leichen. In seiner neuen Ausstellung zeigt er nun erstmals ein Paar beim Sex. Das ist konsequent – der Orgasmus wird schließlich gern auch als “kleiner Tod” bezeichnet. Sex in allen Variationen ist der BILD-Zeitung immer eine rotwangige Empörung wert. So auch diesmal: In dem pietätvoll “Dr. Tod zeigt Leichensex in Berlin” betitelten Beitrag stellt der Autor die alles entscheidende Frage: “Ist diese Präsentation nicht pervers?!”
Scheinbar nicht, denn auch BILD zeigt den Zombieporno. Den Abbildungstext hat wohl jener Poet verfasst, der auch den halbnackigen BILD-Girls schlüfprige Halbsätze in den Mund legt, denn dort heißt es wunderbar subtil: “Der Mann (†51, Lungenkrebs) liegt stocksteif auf dem Rücken.”
Am Ostersonntag protestierte Unter den Linden eine Hundertschaft gegen die Wirtschaftskrise. Eine gute Idee, warum sind Krisen nicht schon längst verboten? Das Häuflein Systemkritiker kritisierte das System, indem es zornig Plakate gegen unfähige Politiker und Manager in den Osterhimmel hielt. Auch Trillerpfeifen waren mit im Spiel. Recht so.
Der Zorn konzentrierte sich besonders auf eine Bank aus Island. Island ist eine Insel mit sehr viel Gegend, aus der ab und zu heißes Wasser schießt. Als Finanzstandort ist das Land bisher nicht in Erscheinung getreten. Wie den Plakaten zu entnehmen war, haben einige Demonstranten trotzdem ihr Geld dort hin überwiesen. Dann kam die Krise. Zack, Kohle weg. Das finden die Leute ungerecht, sie fordern: Geld zurück!
Wer ist Schuld? Die gierigen Manager natürlich, deswegen heißen sie inzwischen ja auch “Bankster”. Es könnte freilich auch ein Stäubchen Gier mit im Spiel sein, wenn jemand sein Geld am Rande der zivilisierten Welt anlegt, nur weil dort ein halbes Promille höhere Zinsen winkt.
So lustig ist die Globalisierung: Wer sich gestern noch als Investmentfuchs fühlte, ist heute schon ein Depp, schreibt es auf ein Plakat und demonstriert in Berlin gegen seine eigene Dummheit.
Sonnenenergie ist sauber, billig und unbegrenzt vorhanden. Liegt die Zukunft der europäischen Energieversorgung also in Ländern wie Tunesien, Libyen oder Ägypten, wo endlose Wüstenflächen nur darauf warten, mit Parabolspiegeln bepflastert zu werden? Riesige solarthermische Anlagen in der Sahara sollen die EU mit billigem Strom versorgen, so sieht es der Solarplan der Mittelmeerunion vor. Die dafür notwendigen Technologien sind längst ausgereift – schon seit den 1980er Jahren erzeugen solarthermische Kraftwerke in der Wüste Kaliforniens umweltfreundlichen Strom. Weltweit sind derzeit mehr als 100 Anlagen im Bau oder in der Planung. Doch während beispielsweise die Chinesen in Eigenregie eine gigantische Solarfarm aus dem Sand der Qaidam-Wüste stampfen, sitzen beim Solarplan 46 Nationen an einen Tisch. Die einen haben das Geld und die Technik, die anderen die Sonne – so lautet die einfache Formel, die Europäer, Afrikaner und Araber zur Kooperation zwingt. Die eigentlichen Schwierigkeiten sind daher nicht technischer, sondern politischer und vor allem kultureller Natur.
Nicht zum ersten Mal versuchen die Europäer, mit Hilfe Afrikas ihre Probleme zu lösen. Der deutsche Architekt Hermann Sörgel kämpfte sein Leben lang für einen Staudamm in der Straße von Gibraltar, mit dessen Hilfe er das Mittelmeer weitgehend trockenlegen wollte. Der Staudamm sollte elektrische Energie für ganz Europa liefern und es so von Ölimporten unabhängig machen. Atlantropa hieß sein Projekt, das nie verwirklicht wurde – nicht zuletzt, weil Sörgel sich allein auf die technische Machbarkeit konzentrierte. Heute steht seine Vision als ein Mahnmal grandiosen Scheiterns in der Technikgeschichte. Dem Traum vom Solarstrom aus der Wüste könnte ein ähnliches Schicksal drohen. (…)
Der vollständige Artikel ist in der März-Ausgabe der Afrika-Post erschienen.