26. March 2010 - 11:00 Uhr
Es steht mir nicht zu, über die Verfehlungen Roman Polanskis in den Siebzigern zu urteilen. Aber das er mit seinem neuen Film mein Google-Ranking pulverisiert – das geht eindeutig zu weit. Falls Sie dies lesen, Herr Polanski: Ich bin empört!
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4. March 2010 - 12:38 Uhr
In dunklen, früheren Tagen waren wir alle verdammt zum dumpfen Konsum. Es gab drei Fernsehprogramme, den Internationalen Frühschoppen, die Tageszeitung. Die Medien sagten uns, wie die Welt funktioniert, und wir nahmen es ehrfürchtig zur Kenntnis. Wenn der SPIEGEL einen Leserbrief des Erdkundelehrers abdruckte, in der dieser mal kurz seinen Plan zur Beendigung des Kalten Krieges umriss, wurde er ausgeschnitten und in Klarsichtfolie verpackt ehrfürchtige herumgereicht.
Gestern gab es ein Konzert im Postbahnhof am Ostbahnhof. Wie es war? Bastian ist seine Wohnung immernoch nicht los. Bracelona was da bomb, maaan! Und, oh, die Jenny hatte so einen fiesen Virus, drei Tage sie flach gelegen, totaaaaal schlimm. Eine Schwarzhaarige in Lederjacke referiert über Dostojewski. Nebenbei waren die Tindersticks auch da, zufällig hatten sie ihre Instrumente dabei und sorgten für Hintergrundmusik. Ein bisschen zu laut vielleicht, aber nett. Das Publikum nutzt seine Gesprächspausen höflich, um einen wackligen Videofilm zu drehen und sofort (!!) ins Netz zu stellen, wo sich aller Voraussicht nach und zurecht niemand dafür interessieren wird.
Das Internezt hat uns alle zu Künstlern gemacht, zu Journalisten, Reportern, Filmemachern, subjektiv gefühlten Meinungsführern, die zu allem und vor allem IMMER etwas zu sagen haben. Dauerndes Geplapper als Lebenszeichen – auf Facebook wie im wirklichen Leben. Dazu kommt der Satan der digitalisierten Musik. Lieblingsplatten sind keine Kunstwerke mehr, sondern allgegenwärtige Soundblasen, Hintergrundgeräusch für das eigene Geplapper.
Es mag vorgestrig wirken, aber ich wünsche mir wieder mehr Leserbriefe statt Diskussionsforen, Telegramme statt SMSen, Tagebücher statt Facebooks und Konzertbesucher, die einfach mal die Klappe halten und der Band zuhören.
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5. May 2009 - 15:48 Uhr
Gunther von Hagens, BILD-Lesern besser bekannt als “Dr. Tod”, feiert seit Jahren Erfolge mit der Ausstellung plastinierter Leichen. In seiner neuen Ausstellung zeigt er nun erstmals ein Paar beim Sex. Das ist konsequent – der Orgasmus wird schließlich gern auch als “kleiner Tod” bezeichnet. Sex in allen Variationen ist der BILD-Zeitung immer eine rotwangige Empörung wert. So auch diesmal: In dem pietätvoll “Dr. Tod zeigt Leichensex in Berlin” betitelten Beitrag stellt der Autor die alles entscheidende Frage: “Ist diese Präsentation nicht pervers?!”
Scheinbar nicht, denn auch BILD zeigt den Zombieporno. Den Abbildungstext hat wohl jener Poet verfasst, der auch den halbnackigen BILD-Girls schlüfprige Halbsätze in den Mund legt, denn dort heißt es wunderbar subtil: “Der Mann (†51, Lungenkrebs) liegt stocksteif auf dem Rücken.”

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8. January 2009 - 11:07 Uhr
Am Freitag startet die vierte Runde des Dschungelcamps bei RTL. Jetzt werden die Kommentare zu den vorherigen Staffeln recycled: C-Promis, haben es noch nicht mal zum perfekten Promi-Dinner geschafft, ist nur bekannt für… lediglich die Namen müssen ausgetauscht werden, und schon hat man wieder zwei Spalten voll und die billigen Lacher auf seiner Seite. Das ist zu einfach – “besser machen” lautet die Devise. Daher folgt nun ein subjektiver Castingvorschlag für das beste Dschungelcamp aller Zeiten:
1. Marcel Reich-Ranicki (Sprechtrainer)
2. Christian Klar (Sozialphilosoph)
3. Charlotte Roche (Dildospitze des Feminismus)
4. Florian Silbereisen (Alpine Sterbehilfe)
5. Ursula von der Leyen (Hausfrau und Mutter)
6. Lukas Podolski (Bauchredner)
7. Harald Schmidt (Karrierecoach)
8. Gloria von Thurn und Taxis (Lückenfüllerin).
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4. July 2008 - 17:55 Uhr
Erwartungsgemäß empört sich die BILD-Zeitung darüber, dass man bei Madame Tussaud in Berlin Adolf Hitler “als Attraktion” ausstellt. Und da in unserem Land zum Glück auch Ahnungslose eine Meinung haben dürfen, steht der BILD-Beauftragte für Entrüstungsonanie Franz-Josef Wagner sofort Gewehr bei Fuss und stammelt über seine furchtbare Angst “vor dem Wachs-Hitler“. Warum allerdings gerade die zehn Schichten Ölfarbe auf des Führers Antlitz eine besondere Gefahr für den Weltfrieden darstellen, bleibt leider im Dunkeln.
Ich möchte an dieser Stelle nicht die leidige Diskussion über den Umgang mit der furchtbaren deutschen Vergangenheit um einen weiteren unnötigen Beitrag bereichern. Allerdings verblüfft mich die Scheinheiligkeit, mit der die BILD-Zeitung sich über die Kommerzialisierung Hitlers echauffiert, denn gerade dort zeigte man in der Vergangenheit wenig Hemmungen, mit dem GröFaZ ordentlich Kasse zu machen. Man erinnere sich nur an den sexualhistorisch wertvollen Beitrag über Masturbation im Führerbunker, die rührende Homestory zur zur Society-Hochzeit des Jahres ’45 oder die bahnbrechende Recherche zum Stammbaum der Reichsobercaniden Blondi.
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9. May 2008 - 15:08 Uhr
Deutsche Fernsehserien sind so spaßig wie eine Radtour durch Afghanistan. Neidisch schielt der Serienfreund nach Amerika, wo David Lynchs Twin Peaks in den Neunzigern neue erzählerische und ästhetische Standards definierte. Meisterwerke wie die Sopranos oder Lost laufen bei uns meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit, dem komplexen Krimiepos The Wire gab man in weiser Voraussicht gar keine Chance.
Die heimischen Produktionen hingegen zelebrieren einen Dreikampf der Erbärmlichkeit: erbärmliche Ausstattung, erbärmliche Handlung, erbärmliche Dialoge. Mutlos zusammengeschusterte Plagiate, die drei Tage chinesische Tropfenfolter wie eine verlockenden Alternative erscheinen lassen. Haben sich die Sender insgeheim auf ein Niveau geeinigt, das auch durchschnittlich begabte Haustiere nicht überfordert? Sind Kaulquappen bei uns werberelevante Zielgruppe? Oder fühlt sich der Durchschnittsglotzer tatsächlich nur im Mutantenstadl angemessen unterhalten?
Gott sei Dank, es gibt Ausnahmen! Stromberg zählt dazu, und die ZDF- Serie Kriminaldauerdienst, die fast alles richtig macht. Die erste Staffel floppte erwartungsgemäß, und doch gehen jetzt in einem unerwarteten Akt öffentlich-rechtlichen Ungehorsams zehn neue Folgen auf Sendung.
In seinem Beitrag bei der Achse des Guten illustriert stern-Autor Wolfgang Röhl am eigenen Beispiel die Ansprüche des Publikums: Es giert nach Vorverdautem. Schmeckt zwar nach nichts, glitscht aber so schön. Röhl stören die Handkamera (“verwackelt”), der Schnitt (“Stakkato”) und die Protagonisten (“miesepetrig”), eigentlich alles. Bei den Dialogen kommt er auch nicht mit. Die Ode ans Lauwarme kulminiert in einer messerscharfen Analyse des Medienfachmanns:
Beibehalten wurde auch der Flopp-Garant, dass die Serie eine durchgängige Handlung aufweist.
Immerhin, Handlung ist in homöopathischen Dosen noch tolerabel, stört aber trotzdem irgendwie. Der Marienhof rockt doch auch – ganz ohne Plot! Schlagartig wurde mir wieder bewusst, warum ich den stern noch nicht einmal beim Zahnarzt zur Betäubung lese.
Na dann, Viel Spaß bei Derrick!
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