Scholl-Latour und die Atomwaffen
18. June 2008 - 14:03 UhrHelmut Schmidt erklärt uns Deutschen die Wirtschaft, für den ganzen Rest ist Peter Scholl-Latour zuständig. Das mag man oder man mag es nicht, jedenfalls ist er immer für einen kontroversen Diskussionsbeitrag gut. Besonders unangenehm ist aber die Penetranz, mit der Scholl-Latour für eine atomare Aufrüstung Europas eintritt, wie jüngst wieder beim ZEIT Forum Politik.
Die Sache ist ganz einfach: Die Proliferation ist nicht aufzuhalten, bald reitet jeder kranke Despot den atomaren Gaul, aber mit Peters Hilfe können wir auch in Zukunft ruhig schlafen. Denn: Kein Land wird seine Atomwaffen jemals einsetzen, da der sofortige Gegenschlag droht. Die Atombombe ist also der spitzeste Pfeil im Köcher der internationalen Friedensbewegung. Ein weltweites atomares Gleichgewicht wird uns den ewigen Frieden bescheren. Der Beweis? Es hätt noch immer joot jejange, und überhaupt war der Kalte Krieg doch eigentlich eine richtig schöne Zeit.
Warum allerdings leben wir sicherer, wenn sich neben des USA, Frankreich und Großbritannien auch alle anderen europäischen Staaten atomar bewaffnen? Welches Signal sendet Europa damit an den Rest der Welt?Steigt nicht – schon rein statistisch – mit jeder neuen Atommacht auch die Gefahr eines atomaren Konflikts? Diese Fragen kann man wohl nur ignorieren, wenn man selbst aus Altersgründen nicht mehr mit den Folgen der eigenen Empfehlung leben muss.