Archiv für June 2008


Scholl-Latour und die Atomwaffen

18. June 2008 - 14:03 Uhr

Helmut Schmidt erklärt uns Deutschen die Wirtschaft, für den ganzen Rest ist Peter Scholl-Latour zuständig. Das mag man oder man mag es nicht, jedenfalls ist er immer für einen kontroversen Diskussionsbeitrag gut. Besonders unangenehm ist aber die Penetranz, mit der Scholl-Latour für eine atomare Aufrüstung Europas eintritt, wie jüngst wieder beim ZEIT Forum Politik.

Die Sache ist ganz einfach: Die Proliferation ist nicht aufzuhalten, bald reitet jeder kranke Despot den atomaren Gaul, aber mit Peters Hilfe können wir auch in Zukunft ruhig schlafen. Denn: Kein Land wird seine Atomwaffen jemals einsetzen, da der sofortige Gegenschlag droht. Die Atombombe ist also der spitzeste Pfeil im Köcher der internationalen Friedensbewegung. Ein weltweites atomares Gleichgewicht wird uns den ewigen Frieden bescheren. Der Beweis? Es hätt noch immer joot jejange, und überhaupt war der Kalte Krieg doch eigentlich eine richtig schöne Zeit.

Warum allerdings leben wir sicherer, wenn sich neben des USA, Frankreich und Großbritannien auch alle anderen europäischen Staaten atomar bewaffnen? Welches Signal sendet Europa damit an den Rest der Welt?Steigt nicht – schon rein statistisch – mit jeder neuen Atommacht auch die Gefahr eines atomaren Konflikts? Diese Fragen kann man wohl nur ignorieren, wenn man selbst aus Altersgründen nicht mehr mit den Folgen der eigenen Empfehlung leben muss.

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Stadionhymnen

5. June 2008 - 14:59 Uhr

Wie soll ich es den älteren Lesern erklären? OK… wenn die Arctic Monkeys die neuen Kinks sind und die Babyshambles Keith Moon, dann sind die Fratellis Slade minus geschmacklose Klamotten. Die Fratellis sind vier nette Jungs aus Schottland, die zudem noch ihre Instrumente richtigrum halten können. Vor zwei Jahren haben sie eine sehr spaßige Platte mit eingängigem Gitarrenpop (“Costello Music”) veröffentlicht. Dieser Tage erscheint das neue Album Here We Stand, das nahtlos an das Debüt anknüpft. Sie Songs haben einen hohen Mitsummfaktor, allein: Man kennt sie alle irgendwie schon.

Beim Konzert im Berliner Lido wurde aber das eigentliche musikalische Manko der Vier offensichtlich: Sie können nur Vollgas. Schnurrig wie ein Formel Eins-Motor nageln sie eine Stampfnummer nach der nächsten runter, Dynamik ist nicht so ihr Ding. Die Zuschauer erwarten ein spannendes Rennen, aber dummerweise ist nur ein Wagen auf der Piste. Nach der zweiten Runde wirds dann halt a bissel eintönig.

Sonst noch was? Jon Fratelli, der Gitarrist und Sänger, verbraucht 18 Gitarren für 15 Songs. Der Löwenanteil des Tourbudgets geht für sein mobiles Gitarrenmuseum drauf. Meine Prognose: In zwanzig Jahren wird uns Flathead mit neuem Text aus den Fankurven der Fussballstadien entgegenschallen wie heutzutage Go West oder Sailing. Wetten?

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