Archiv für September 2008


Finanzkrise

22. September 2008 - 16:44 Uhr

Die Finanzkrise erweist sich als ausgesprochen lehrreich. So lernt man, dass amerikanische Investmentbanken auf drollige Namen wie Fannie Mae oder Freddie Mac hören, die eher zu Backmischungen als zu gefräßigen Heuschrecken passen.

Zum anderen aber lässt sich bewundern, wie geschmeidig selbst bis in die Wolle gefärbte Marktradikale über Nacht zum Sozialisten mutiert. Es ist immer das gleiche: Gewinne werden privatisiert, die Verluste aber sollen allen zugute kommen. Das ist also der mitfühlende Kapitalismus, den George W. Bush zu Beginn seiner ersten Amtszeit versprochen hat.

Besonders ärgerlich ist das Kalkül, mit dem die Großspekulanten zu Werke gehen. Wenn wie jetzt eine Blase platzt, entscheidet sich die Politik notgedrungen für das kleinere Übel und sorgt für eine möglichst weiche Landung. Kosten für den Steuerzahler: (vorerst) schlappe 800 Mrd. Dollar. Experimente, für die der Staat das Risiko übernimmt – das ist wahrscheinlich das cleverste Geschäft von allen.

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Die Rettung der Welt

10. September 2008 - 18:16 Uhr

Lester Brown
Am 2. September stellte Lester Brown im Rahmen einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung sein neues Buch “Plan B 3.0″ vor. Im Untertitel verspricht er in aller einem Amerikaner möglichen Bescheidenheit: “So retten wir die Welt!”

Von so viel Optimismus zu Kauf animiert, erläutert Browns Rundumschlag dem Leser praktisch alle großen Probleme der Zivilisation: Energie-, Wasser- und Lebensmittelknappheit, Klimawandel sowie das Marktversagen, das uns all diese Unannehmlichkeiten einbrockt. Den weit größeren Teil des Buches füllt aber die Vision von einer Welt, in der diese Probleme der Vergangenheit angehören. Diese Vision kann nach Browns Überzeugung in relativ kurzer Zeit Wirklichkeit werden – die notwendigen Technologien stehen bereit, es fehlen allein der politische Wille und der Glaube an die Machbarkeit.

Immerhin, der Plan B 3.0 ist nicht dem Hirn eines entrückten Weltverbesserers entsprungen, sondern einem Autor, den die Washington Post als einen der einflussreichsten Intellektuellen der Welt bezeichnet. Andererseits: Wenn er so von seinem Plan überzeugt ist, warum liegt er bereits in der dritten Version vor? In Fragen der Landwirtschaft kennt Brown sich jedenfalls aus: Er begann seine Karriere als Farmer in New Jersey, bevor er 1955 an der Rutgers University Agricultural Science studierte. Ab 1959 arbeitete er im US-Landwirtschaftsministerium. Nebenbei fand er auch noch die Zeit, in Maryland und Harvard Agrarökonomie zu studieren (Wie schaffen die Leute das nur immer bloss??)

Im Jahr 1974 gründete er das Worldwatch Institute, die erste Einrichtung weltweit, die sich der Analyse globaler Umweltprobleme widmete. Seit 2001 kämpft er mit seinem Earth Policy Institute für eine nachhaltige Weltwirtschaft. Brown ist 23-facher Ehrendoktor und wurde unter anderem mit dem Umweltpreis der Vereinten Nationen und der Goldmedallie des WWF ausgezeichnet.

Das gesamte Buch kann hier in englischer Sprache kostenlos heruntergeladen werden.

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