Großer Wurf oder Solar Joke?
11. March 2009 - 14:51 UhrSolarplan der Union für das Mittelmeer
Von Mark Berger und Jens Pietrucha
Sonnenenergie ist sauber, billig und unbegrenzt vorhanden. Liegt die Zukunft der europäischen Energieversorgung also in Ländern wie Tunesien, Libyen oder Ägypten, wo endlose Wüstenflächen nur darauf warten, mit Parabolspiegeln bepflastert zu werden? Riesige solarthermische Anlagen in der Sahara sollen die EU mit billigem Strom versorgen, so sieht es der Solarplan der Mittelmeerunion vor. Die dafür notwendigen Technologien sind längst ausgereift – schon seit den 1980er Jahren erzeugen solarthermische Kraftwerke in der Wüste Kaliforniens umweltfreundlichen Strom. Weltweit sind derzeit mehr als 100 Anlagen im Bau oder in der Planung. Doch während beispielsweise die Chinesen in Eigenregie eine gigantische Solarfarm aus dem Sand der Qaidam-Wüste stampfen, sitzen beim Solarplan 46 Nationen an einen Tisch. Die einen haben das Geld und die Technik, die anderen die Sonne – so lautet die einfache Formel, die Europäer, Afrikaner und Araber zur Kooperation zwingt. Die eigentlichen Schwierigkeiten sind daher nicht technischer, sondern politischer und vor allem kultureller Natur.
Nicht zum ersten Mal versuchen die Europäer, mit Hilfe Afrikas ihre Probleme zu lösen. Der deutsche Architekt Hermann Sörgel kämpfte sein Leben lang für einen Staudamm in der Straße von Gibraltar, mit dessen Hilfe er das Mittelmeer weitgehend trockenlegen wollte. Der Staudamm sollte elektrische Energie für ganz Europa liefern und es so von Ölimporten unabhängig machen. Atlantropa hieß sein Projekt, das nie verwirklicht wurde – nicht zuletzt, weil Sörgel sich allein auf die technische Machbarkeit konzentrierte. Heute steht seine Vision als ein Mahnmal grandiosen Scheiterns in der Technikgeschichte. Dem Traum vom Solarstrom aus der Wüste könnte ein ähnliches Schicksal drohen.
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Der vollständige Artikel ist in der März-Ausgabe der Afrika-Post erschienen.
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